Frankfurter Neue Presse

Schurz-Schule gibt Europa ein Zuhause
Sachsenhausen. In der Carl-Schurz-Schule ging es wieder ganz international zu. Zu Besuch waren Vertreter von Partnerschulen aus Österreich, Frankreich, Italien und der Slowakei. Und das nicht ohne Grund: Innerhalb des Comenius-Schulentwicklungsprojektes „Setting Europe in Motion“ (auf Deutsch: „Europa in Bewegung setzen“) stand jetzt in dem Sachsenhäuser Gymnasium eine Veranstaltung zum Thema „Europalust statt Brüsseler Frust“ in der Aula auf dem Programm. Valerio Bonvini von der Europäischen Komission war als Redner zu Gast.
Valerio Bonvini arbeitet seit zehn Jahren bei der Europäischen Union (EU) und berichtete über seine Erfahrungen. „Ich spreche gerne mit Schülern, weil sie kritisch sind, aber nicht zynisch werden. Sie wollen die Problematik wirklich verstehen und nicht zu allem einfach Ja sagen“, schwärmt Bonvini. „Außerdem denke ich, dass Brüssel ein Gesicht bekommen muss.“
Das Comenius-Projekt, das einen Teil des Sokrates-Programmes der EU darstellt, hält Schüler- und Lehrerschaft der Carl-Schurz-Schule seit neun Jahren auf Trab. Jürgen Kummetat, Oberstudienrat außer Dienst, gründete 1996 das Projekt in dem Gymnasium in der Holbeinstraße. „Wir leben in einem Europa ohne optische Grenzen, und trotzdem gibt es immer noch unsichtbare Grenzen wie zum Beispiel unsere verschiedenen Mentalitäten. Deshalb müssen wir uns fragen, wie wir in Europa zu einem gemeinsamen Bewusstsein kommen“, betonte er.
Die Carl-Schurz-Schule gehöre mit zu den ersten Schulen, die am Comenius-Projekt der EU überhaupt teilnahmen und diene deshalb als Modell für andere Schulen. Das allgemeine Ziel von Comenius ist, die Schulbildung qualitativ zu verbessern. Das bedeutet zum Beispiel, dass Lehrkräfte ihre sprachlichen Kenntnisse erweitern.
„Ich habe einen Italienisch-Kurs besucht und die Kollegen aus der Slowakei einen Englisch-Kurs belegt“, sagte Reinhard Bok, derzeitiger Koordinator des Projektes. Jede Schule legt ihre eigenen Schwerpunkte fest, die sie im Laufe des Projektes verbessern möchte. So will zum Beispiel die Carl-Schurz-Schule die Kommunikation zwischen Schülervertretung (SV) und Lehrkräften intensivieren. Die Wiener Schule dagegen möchte die Integration von Migranten fördern.
„Schüler und Lehrer bekommen durch das Projekt ein besseres Verständnis für Europa. Vorurteile werden abgebaut und neue Freundschaften geschlossen“, berichteten Jürgen Kummetat und Reinhard Bok gemeinsam. Das Projekt komme gut bei den Schülern an. „Sie sind wirklich sehr engagiert“, berichten die Pädagogen. Es gibt jährlich einen Austausch, bei dem die Schüler ihre neu erworbenen Sprachkenntnisse testen und verbessern können. Dort werden die Arbeitsergebnisse vorgestellt und besprochen. „Leider sind die Teilnehmerzahlen sehr begrenzt. Beim Comenius-Treffen in Nitra in der Slowakei im März 2006 konnten nur fünf Schüler aus Deutschland mitreisen“, bedauerte Reinhard Bok. „Es ist aber schön zu sehen, dass es mehr Schüler gibt, die einen Austauschschüler aufnehmen wollen, als es überhaupt Aus-tauschschüler gibt.“ (fnw)
Wer noch mehr über die gemeinsame Arbeit der fünf Partnerschulen erfahren möchte, kann auf folgender Homepage nachsehen: http://www.europe-in-motion.de.
FNP vom 22.11.2006 |